Studentenleben

January 29, 2007

2 Halb-semester

Filed under: Freunde — Constantin @ 3:34

He, ich bin gerade dabei eine Zitrone zu vertilgen und dachte, dass ich euch mal wieder wissen lasse, was hier in den Niederlanden gerade so passiert. Das mit der Zitrone war sicherlich keine Inspiration, andere würden es vielleicht sogar als abschreckend oder gar abscheuchlich nennen. Das kann ich durchaus verstehen, wobei ich jedem eigentlich nur raten möchte, auch mal eine Zitrone, so ganz roh zu sich zu nehmen. Im Übrigen ist der Geruch auch das wesentlich schlimmere an der Sache. Der Geschmack ist herlich. Nun, dazu genug.

Meine Testwoche ist vorrüber und seit Samstag geniese ich die freie Zeit die mir bis zum Beginn des nächsten Halbsemesters zur Verfügung steht. Ich habe mir zwar nicht besonders viel vorgenommen, aber das was ich machen möchte ich sehr zeitraubend. Am Samstag habe ich den ganzen Tag über Büch gelesen, Poker im Internet gespielt, mich mit den van Loenen unterhalten und dann noch Handball gesehen. Ich weiss gar nicht wann genau das Federer Spiel war, aber das habe ich auch gesehen. Ich glaube es war am Sonntag. Wie auch immer, der Sonntag war ähnlich strukturiert, beziehungsweise genauso wenig, wie man es nennen möchte. Das Buch das ich gelesen habe, heisst “The shadows of the wind” und wurde von Carlos Ruiz Zafón geschrieben (ins Deutsche tatsächlich gleichnamig übersetzt: Der Schatten des Windes). Ich weiss nicht ob ihr das kennt, aber es ist ein herzzerreißendes Buch, dass mir ehrlich gesagt die ein oder andere Träne abverlangt hat. Eigentlich ist es ein spanisches Buch, spielt während in der Zeit des Bürgerkrieges und handelt von einem Jungen namens Daniel dessen “Leben eine drastische Wende erfährt, als er die Schicksalsbahn eines geheimnisvolles Buches kreuzt”. Auf dem Cover steht, dass es ein Bestseller ist, und obwohl ich solchen hochgeblobten Büchern eher kritisch gegenüber stehe, ist dieses Buch wirklich ein atemberaubendes Buch. Teilweise saß ich minutenlang da und es kam mir so vor als ob ich gar nicht atmen würde, irgendwie immer nur darauf gerichtet so schnell weiter zu lesen wie möglich und den Inhalt in mich hineinzusaugen. Ihr kennt das sicherlich. Und wenn das Buch dann seinem Ende näher kommt, möchte man eigentlich jede Zeile geniessen, die Zeit stoppen und jedes Wort noch einmal umdrehen um noch mehr herauszufinden, diese Gefühl nicht zu verlieren. Wenn man davor Zeilen übersprungen hat, um schneller das Ende herauszufinden, liest man jetzt umso sorgfälltiger. Ich erkenne ein gutes Buch immer daran, dass es mich voll vereinnahmt und ich von der Außenwelt nichts mehr wahrnehme. Manchmal tut sich im Hintergrund dann etwas und ich merke, dass ich für Minuten wenn nicht Stunden in eine andere Zeit eingetaucht bin, aber die Konzentration kommt schnell wieder und versinge wieder darin. Nun, ich habe das Buch zu Ende gelesen. 

Ansonsten, ich war heute in der Hogeschool in Utrecht um mich auf das nächste Halbsemester vorzubereiten. Nachdem ich die letzte Woche scheinbar erfolgreich hinter mich gebracht habe, habe ich zwar jetzt eine Woche frei, aber in der darauffolgenden Woche beginnt eben wieder die Universität. Ich hatte euch beim letzten Mal erzählt, in was für Fächern ich unterrichtet wurde, so möchte ich das auch hier machen: Journalistic Research, Social Cultural Studies, English, Multi Media-Skills, Global Economics, Communication & Society und Personal Development. Das sind natürlich nur alles leere Worte, die euch kaum etwas sagen werden. Ich mache mir mal hier die Mühe und liste alle Fächer auf und was wir dort genau machen werden:

- Social Cultural Studies: Hier geht es darum, herauszufinden wie Kultur unser Denken und Benehmen beeinflusst. Das ist insofern wichtig, als das wir später in internationalen Betrieben arbeiten werden und wir uns daher mit den jeweiligen Kulturen auskennen müssen. Unser Job wird es sein, alle Menschen mit einem Plan (Communication Strategy)  irgendwie dazu zu bringen miteinander zu arbeiten. Ein Südafrikaner der vielleicht eher eine laissez-faire Einstellung hat, muss dann zum Beispiel dank uns es schaffen mit einem Deutschen auszukommen der eher regelkomform ist und alles im Griff haben möchte. Aber es ist auch wichtig zu wissen, wie eine ausländische Organisation in einem Land die öffentliche Gruppen (public groups)  angeht. Dazu bedarf es aller möglichen Hintergrundfakten. Und die sollen wir hier erlernen.

-Journalistic Research: Eigentlich ganz einfach. Wir lernen wie man für journalistische Produkte, zum Beispiel Filme oder Zeitungsartikel, die notwendigen Informationen sammelt. Es geht hier also um eine Untersuchungsmethode (research method). Teils ist das ein theortisches Fach, teils aber müssen wir natürlich auch unsere eigene research machen.

-English: Story-telling ist hier die Unterüberschrift. Wir werden hier alles über solche Sachen lernen, sprich wie man dem Leser den Inhalt eines Textes verdeutlichen kann so dass er oder sie ihn versteht und der Inhalt folgen kann. Außerdem geht es um Struktur und wie man den Text so interessant wie möglich macht. Scheinbar hängt diese Fach direkt mit dem nächste Fach zusammen, nämlich Multi Media-skills. Den Film den wir dort drehen werden, müssen wir in diesem Fach zu Papier bringen.

-Multi Media-Skills: Wie gesagt, der Film ist hier das Hauptaugenmerk. Wir müssen einen Film drehen und dann mit verschiedenen Prgorammen das Beste daraus machen. Das müssen wir natürlich zuerst lernen. Die Beschreibung ist ein bisschen wage. Ich zeige euch am Ende einfach das Produkt, sprich den Film.

Global economics: Makro-Wirtschaft ist hier der Schüsselbegriff. Dieses Fach soll uns einen ersten Einblick in die Entwicklung in diesem Bereich in der eurpäischen Zone geben. Ausserdem zielt es darauf uns es zu ermöglichen wirtschaftliche Sachverhalte analysieren zu können. Scheint aber eher ein oberflächerlicher Vorgehensweise.

-Communication and Society: Eine Einführung in das Verhältnis zwischen Kommunkation aus Sicht der Massenmedien und aus Sicht der Gesellschaft. Es geht um alle Komponenten der Massenkommunikation, also um den Sender, die Nachricht und den Empfänger, analysiert dabei alle Komponenten der Massenkommunikation in der heutigen Gesellschaft (television, radio, newspapers, film, music, internet, usw.). Ausserdem scheint es noch um ein paar theoretischen Herangehensweisen zu gehen die ebenfalls die Massenkommunikation betreffen.

-Personal Development: Last, but not least, haben wir meinen persönlichen Anti-liebling. Hier muss man immer besonders viel tun und kriegt nur sehr wenig dafür (sprich 1 ECTS (European credit points). Es geht also um unser professionelles Auftreten in der Öffentlichkeit. Diese Interaktion oder auch Darstellung seiner selbst, soll hier trainiert werden. Meistens geht es darum sein eigenes Verhalten zu reflektieren, seine Stärken zu nutzen und somit selbstsicher in der Öffentlichkeit aufzutreten.

 Manche von den Fächern habe ich bereits gehabt, so wie English, Personal Development oder Social Cultural Studies. Wie auch immer, das hier ist ein weiterer Schritt. Mittlerweile ist alles bei weitem nicht mehr so oberflächlich.

Ich belasse es für heute hierbei. Ich hoffe, dass meine Erklärungen sprachlich verständlich sind. Ich muss ehrlich sagen, dass es sehr schwierig ist, das alles zu übersetzen und gerade bei komplizierteren Sachen immer die richtigen Worte zu finden. Häufig fällt mir englischen das richtig ein, aber dann kann ich es nicht übersetzen. Ich hoffe, es geht euch allen gut. Und Papa, schön, dass du aus den USA heile zurück bist.

Constantin

3 Comments »

  1. Hallo Constantin,

    Du musst doch gewisse Gene von mir haben, denn auch ich bin, wie Du weißt, ein Fan des Zitronenessens. Angeblich ist das ja nicht nur gesund, sondern sauer macht bekanntlich lustig!

    Schön, dass Du die Testwoche so gut hinter Dich gebracht hast. Die von Dir geschilderten Fächer klingen sehr interessant und Du könntest in meinem Beruf einiges damit anfangen. Was Du heute morgen am Telefon erzähltest scheint ebenfalls spannend zu sein. Daüber musst Du gelegentlich etwas schreiben, damit Mama und ich noch besser wissen, was gemeint ist, Journalisten über ihr Wissen zu einer Bank zu interviewen (oder haben wir das falsch verstanden?).

    Der Trip nach USA war wieder Mal ein Erlebnis. Zwar sahen wir, außer dem Blick vom Flugzeug aus und die Häuser zwischen Hotel und Konferenzraum, nicht viel. Allein die unterschiedlichen Wetterbedingungen kamen einem wie in der 3-Wetter-Taft-Werbung vor. Deutschland: 8 Grad, bewölkt, kaum Wind; Neufundland: 1 Km Sicht, Schneefall mit stürmischem Wind, 1 Grad; Florida: 26 Grad, Sonne, wolkenloser Himmel (bei der Ankunft, später fing es doch noch an zu regnen).

    Bei einem kurzen Bummel in einer Mall, kaufte ich dann die von Mama und Alex gewünschten Sachen: rot- weiße Partybecher, Tee ohne Hibiskusbestandteile, Senf für Hotdogs und, das war die Überraschung, Kakaopulver mit Marshmellows. Falls Du etwas spezielles benötigst, lass es mich wissen, denn ich fliege wahrscheinlich bald wieder nach CONUS (ich hoffe, Du kennst diese Abkürzung!).

    Deine Buchbeschreibung klingt toll. Damit könntest Du mir (und sicher auch Deiner hochzuverehrenden Frau Mutter)zum Geburtstag eine große Freude machen (bitte in deutscher Ausgabe). Wo hast Du das Buch aufgetrieben? Hatte davon noch nie gehört.

    Zumindest Frau Giesen (meine Vermieterin) ist auch eine Leseratte. Sie ist an diesem Wochenende mit Katharina in Den Haag, die sich an der dortigen Uni einschreibt. Sie fängt im September dort an zu studieren. Sie will Dir bald schreiben, was Sie machen wird. Vielleicht trefft ihr euch mal. Giesen-Borngässers besuchen uns im Februar in Buxtehude und hätten Dich gerne kennengelernt. Leider wirst Du dann schon wieder – nach Deinem Kurzurlaub auf den wir uns freuen- weg sein. Wir finden da sicher aber eine andere Gelegenheit. Du wolltest doch ohnehin nach Berlin kommen und mich besuchen. Die Familie (mit Hund Fridolin, der bald seinen 11. Geburtstag hat) wird Dir gefallen!

    Mama ist gerade dabei in den Räumen der Hospizgruppe Buxtehude eine Vernissage vorzubereiten. Habe dabei die nette Künstlerin getroffen. Deren Bilder gefielen mir. Ich wüsste mindestens eines, das ich sofort kaufen und in unserem Wohnzimmer aufhängen würde und ein weiteres, das in das Schlafzimmer passte. Morgen erklärt Mama die Ausstellung für eröffnet. Da kommt sie sicher wieder in der Zeitung.

    Nachdem mein 1.FC Nürnberg Bayern München mit 3:0 abfertigte, müsste heute der HSV bei Hertha BSC Berlin und die Handballer gegen Polen gewinnen, dann wäre das Wochenende – rein sportlich gesehen – super verlaufen.

    Eine schöne Woche wünscht Dir (und Eva, Agnes und….)Dein Papa

    Comment by Papa — February 3, 2007 @ 3:34

  2. Hallo Constantin,

    Elke Schneider war noch so fröhlich, als sie kurz bei uns war (16.30 Uhr) und der HSV in Berlin führte. Danach ging sie auf eine Geburtstagsparty mit Ecki. Ich fürchte, nach der Rückkehr und dem Blick auf das Endergebnis, wird ihr nicht mehr zum Feiern zumute gewesen sein. 18. Platz, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Durch den Hertha-Sieg ist der Club auf den 6.Platz zurückgefallen. Das macht aber nichts. Um so größer und beeindruckender wird mittelfristig dann der Sprung nach oben sein.

    Das Kabarett mit Horst Schroth gestern Abend war klasse. Ausverkauftes Haus (Halephagen- Gymnasium), viel Witz und 2 Stunden rasend schnell gesprochenes Programm. Darunter war auch ein Hinweis aus Deinem derzeitigen Kulturkreis: Wie Du ja weisst, “grassiert” zur Zeit in England und Holland die Vogelgrippe (Holländisch – so Herr Schroth – Voochelkripp). Angeblich – und da wollten wir Dich davor warnen – hat ein holländischer Bauer seine Frau erschlagen, weil sie “Gänsehaut” hatte. Sollte also Eva oder Agnes unter einem solchen Phänomen leiden, bitte keine unzulässigen Vermutungen anstellen und drakonische Massnahmen unterlassen!

    Einen schönen Sonntag wünscht Dir
    Dein Papa

    Comment by Papa — February 4, 2007 @ 3:34

  3. Hallo Constantin,
    ich bin Katharina, die Tochter der Vermietein in Berlin!
    Nachdem ich deinem Vater schon so oft versprochen habe, dir nun endlich mal zu schreiben, muss ich jetzt meinem schlechten Gewissen ein Ende bereiten und dir nun endlich mal schreiben….
    Wie du ja schon weißt, waren meine Mutter und ich am Wochenende in Den Haag, damit ich mir da die Uni anschauen konnte und sie hat mir echt gut gefallen. Und durch Glück und ein paar gute Zufälle – haben sie mich gleich am Samstag schon angenommen. Also das heißt, ich werde jetzt ab September in Den Haag European Studies studieren. Vielleicht können wir uns ja dann mal treffen, wenn wir es vorher nicht schaffen (aus unterschiedlichen Gründen – man kann ja nie wissen, was kommt…). Aber da Holland ja nicht groß ist und man alles mit der Bahn erreichen kann, sollte dies wohl kein Problem werden.
    Also, ich wünsche dir eine schöne Woche und denke, dass wir es schon irgendwie schaffen werden, einen Kontakt herzustellen bzw. den Kontakt zuhalten!
    Bis dann, Katharina

    Comment by Katharina — February 4, 2007 @ 3:34


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