He, ich bin gerade dabei eine Zitrone zu vertilgen und dachte, dass ich euch mal wieder wissen lasse, was hier in den Niederlanden gerade so passiert. Das mit der Zitrone war sicherlich keine Inspiration, andere würden es vielleicht sogar als abschreckend oder gar abscheuchlich nennen. Das kann ich durchaus verstehen, wobei ich jedem eigentlich nur raten möchte, auch mal eine Zitrone, so ganz roh zu sich zu nehmen. Im Übrigen ist der Geruch auch das wesentlich schlimmere an der Sache. Der Geschmack ist herlich. Nun, dazu genug.
Meine Testwoche ist vorrüber und seit Samstag geniese ich die freie Zeit die mir bis zum Beginn des nächsten Halbsemesters zur Verfügung steht. Ich habe mir zwar nicht besonders viel vorgenommen, aber das was ich machen möchte ich sehr zeitraubend. Am Samstag habe ich den ganzen Tag über Büch gelesen, Poker im Internet gespielt, mich mit den van Loenen unterhalten und dann noch Handball gesehen. Ich weiss gar nicht wann genau das Federer Spiel war, aber das habe ich auch gesehen. Ich glaube es war am Sonntag. Wie auch immer, der Sonntag war ähnlich strukturiert, beziehungsweise genauso wenig, wie man es nennen möchte. Das Buch das ich gelesen habe, heisst “The shadows of the wind” und wurde von Carlos Ruiz Zafón geschrieben (ins Deutsche tatsächlich gleichnamig übersetzt: Der Schatten des Windes). Ich weiss nicht ob ihr das kennt, aber es ist ein herzzerreißendes Buch, dass mir ehrlich gesagt die ein oder andere Träne abverlangt hat. Eigentlich ist es ein spanisches Buch, spielt während in der Zeit des Bürgerkrieges und handelt von einem Jungen namens Daniel dessen “Leben eine drastische Wende erfährt, als er die Schicksalsbahn eines geheimnisvolles Buches kreuzt”. Auf dem Cover steht, dass es ein Bestseller ist, und obwohl ich solchen hochgeblobten Büchern eher kritisch gegenüber stehe, ist dieses Buch wirklich ein atemberaubendes Buch. Teilweise saß ich minutenlang da und es kam mir so vor als ob ich gar nicht atmen würde, irgendwie immer nur darauf gerichtet so schnell weiter zu lesen wie möglich und den Inhalt in mich hineinzusaugen. Ihr kennt das sicherlich. Und wenn das Buch dann seinem Ende näher kommt, möchte man eigentlich jede Zeile geniessen, die Zeit stoppen und jedes Wort noch einmal umdrehen um noch mehr herauszufinden, diese Gefühl nicht zu verlieren. Wenn man davor Zeilen übersprungen hat, um schneller das Ende herauszufinden, liest man jetzt umso sorgfälltiger. Ich erkenne ein gutes Buch immer daran, dass es mich voll vereinnahmt und ich von der Außenwelt nichts mehr wahrnehme. Manchmal tut sich im Hintergrund dann etwas und ich merke, dass ich für Minuten wenn nicht Stunden in eine andere Zeit eingetaucht bin, aber die Konzentration kommt schnell wieder und versinge wieder darin. Nun, ich habe das Buch zu Ende gelesen.
Ansonsten, ich war heute in der Hogeschool in Utrecht um mich auf das nächste Halbsemester vorzubereiten. Nachdem ich die letzte Woche scheinbar erfolgreich hinter mich gebracht habe, habe ich zwar jetzt eine Woche frei, aber in der darauffolgenden Woche beginnt eben wieder die Universität. Ich hatte euch beim letzten Mal erzählt, in was für Fächern ich unterrichtet wurde, so möchte ich das auch hier machen: Journalistic Research, Social Cultural Studies, English, Multi Media-Skills, Global Economics, Communication & Society und Personal Development. Das sind natürlich nur alles leere Worte, die euch kaum etwas sagen werden. Ich mache mir mal hier die Mühe und liste alle Fächer auf und was wir dort genau machen werden:
- Social Cultural Studies: Hier geht es darum, herauszufinden wie Kultur unser Denken und Benehmen beeinflusst. Das ist insofern wichtig, als das wir später in internationalen Betrieben arbeiten werden und wir uns daher mit den jeweiligen Kulturen auskennen müssen. Unser Job wird es sein, alle Menschen mit einem Plan (Communication Strategy) irgendwie dazu zu bringen miteinander zu arbeiten. Ein Südafrikaner der vielleicht eher eine laissez-faire Einstellung hat, muss dann zum Beispiel dank uns es schaffen mit einem Deutschen auszukommen der eher regelkomform ist und alles im Griff haben möchte. Aber es ist auch wichtig zu wissen, wie eine ausländische Organisation in einem Land die öffentliche Gruppen (public groups) angeht. Dazu bedarf es aller möglichen Hintergrundfakten. Und die sollen wir hier erlernen.
-Journalistic Research: Eigentlich ganz einfach. Wir lernen wie man für journalistische Produkte, zum Beispiel Filme oder Zeitungsartikel, die notwendigen Informationen sammelt. Es geht hier also um eine Untersuchungsmethode (research method). Teils ist das ein theortisches Fach, teils aber müssen wir natürlich auch unsere eigene research machen.
-English: Story-telling ist hier die Unterüberschrift. Wir werden hier alles über solche Sachen lernen, sprich wie man dem Leser den Inhalt eines Textes verdeutlichen kann so dass er oder sie ihn versteht und der Inhalt folgen kann. Außerdem geht es um Struktur und wie man den Text so interessant wie möglich macht. Scheinbar hängt diese Fach direkt mit dem nächste Fach zusammen, nämlich Multi Media-skills. Den Film den wir dort drehen werden, müssen wir in diesem Fach zu Papier bringen.
-Multi Media-Skills: Wie gesagt, der Film ist hier das Hauptaugenmerk. Wir müssen einen Film drehen und dann mit verschiedenen Prgorammen das Beste daraus machen. Das müssen wir natürlich zuerst lernen. Die Beschreibung ist ein bisschen wage. Ich zeige euch am Ende einfach das Produkt, sprich den Film.
Global economics: Makro-Wirtschaft ist hier der Schüsselbegriff. Dieses Fach soll uns einen ersten Einblick in die Entwicklung in diesem Bereich in der eurpäischen Zone geben. Ausserdem zielt es darauf uns es zu ermöglichen wirtschaftliche Sachverhalte analysieren zu können. Scheint aber eher ein oberflächerlicher Vorgehensweise.
-Communication and Society: Eine Einführung in das Verhältnis zwischen Kommunkation aus Sicht der Massenmedien und aus Sicht der Gesellschaft. Es geht um alle Komponenten der Massenkommunikation, also um den Sender, die Nachricht und den Empfänger, analysiert dabei alle Komponenten der Massenkommunikation in der heutigen Gesellschaft (television, radio, newspapers, film, music, internet, usw.). Ausserdem scheint es noch um ein paar theoretischen Herangehensweisen zu gehen die ebenfalls die Massenkommunikation betreffen.
-Personal Development: Last, but not least, haben wir meinen persönlichen Anti-liebling. Hier muss man immer besonders viel tun und kriegt nur sehr wenig dafür (sprich 1 ECTS (European credit points). Es geht also um unser professionelles Auftreten in der Öffentlichkeit. Diese Interaktion oder auch Darstellung seiner selbst, soll hier trainiert werden. Meistens geht es darum sein eigenes Verhalten zu reflektieren, seine Stärken zu nutzen und somit selbstsicher in der Öffentlichkeit aufzutreten.
Manche von den Fächern habe ich bereits gehabt, so wie English, Personal Development oder Social Cultural Studies. Wie auch immer, das hier ist ein weiterer Schritt. Mittlerweile ist alles bei weitem nicht mehr so oberflächlich.
Ich belasse es für heute hierbei. Ich hoffe, dass meine Erklärungen sprachlich verständlich sind. Ich muss ehrlich sagen, dass es sehr schwierig ist, das alles zu übersetzen und gerade bei komplizierteren Sachen immer die richtigen Worte zu finden. Häufig fällt mir englischen das richtig ein, aber dann kann ich es nicht übersetzen. Ich hoffe, es geht euch allen gut. Und Papa, schön, dass du aus den USA heile zurück bist.
Constantin